Der Kreml hat die Bereitschaft der AfD zu Gesprächen mit Russland öffentlich begrüßt. Kremlsprecher Dmitri Peskow stellte diesen Ansatz am 22. September positiv der Russlandpolitik von Bundeskanzler Friedrich Merz gegenüber. Reuters berichtet außerdem über Vorbereitungen für Kontakte zwischen AfD-Vertretern und russischer Seite, bei denen unter anderem eine mögliche Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen Thema sein soll. [1]
Daraus folgt allerdings weder eine Änderung der deutschen Regierungspolitik noch automatisch eine Zustimmung zu russischen Positionen. Die AfD befindet sich auf Bundesebene in der Opposition.
Interessant ist ein Punkt, der in der öffentlichen Debatte leicht untergeht: Auch die Bundesregierung schließt Gespräche mit Russland grundsätzlich nicht aus. In der Regierungspressekonferenz vom 5. Juni erklärte sie, Europa sei grundsätzlich offen für ernsthafte Gespräche auch mit Russland. Gleichzeitig verlangt sie glaubwürdige russische Verhandlungsbereitschaft und hält an der Unterstützung der Ukraine fest. [2]
Diplomatische Kanäle werden typischerweise genutzt, um Positionen direkt zu übermitteln, Missverständnisse und Fehleinschätzungen zu begrenzen, praktische oder humanitäre Fragen zu behandeln und mögliche Verhandlungsspielräume zu erkennen. Ein Gespräch bedeutet dabei weder Zustimmung noch die Übernahme von Forderungen der Gegenseite.
Die Gegenposition ist ebenfalls relevant: Kritiker direkter Kontakte warnen davor, dass Gespräche propagandistisch genutzt, zur Verzögerung eingesetzt oder ohne ausreichendes Mandat geführt werden könnten. Deshalb lässt sich der Wert eines konkreten Kontakts nicht allein daran messen, dass gesprochen wird.
AQ-STANDPUNKT
Die entscheidenden Fragen lauten deshalb: Wer spricht? Mit welchem Mandat? Worüber? Unter welchen Bedingungen? Gesprächskanäle und politische Zustimmung sind zwei verschiedene Dinge. Gerade in schweren Konflikten ist Kommunikation ein Instrument der Außenpolitik, dessen Nutzen von Ziel, Rahmen und Ergebnis abhängt.
Das ist weniger griffig als die üblichen Etiketten „Putin-Versteher“ oder „Kriegstreiber“. Außenpolitik hat leider die schlechte Angewohnheit, komplizierter zu sein als ein Hashtag.
Quellen
Redaktionsstand: 23. September 2026.
