Carl Cox hat vor seinem B2B mit Louie Vega am 13. September im UNVRS auf Ibiza einen Blick auf einige seiner Disco-Favoriten gegeben. DJ Mag griff den Clip am 14. September auf. Unter den vorgestellten Titeln sind „Don’t Cost You Nothin“ von Ashford & Simpson und „Forget Me Nots“ von Patrice Rushen. Es geht hier um diese Auswahl – nicht um eine Rezension des vollständigen Auftritts. [1]
AQ-Standpunkt: Auswahl schlägt Dauerfeuer
Das Spannende an so einer Plattenkiste ist für mich nicht ihr Alter. Es ist die Entscheidung, welche Musik jemand hervorholt und warum. Ein DJ organisiert schließlich nicht nur Lautstärke. Er baut Erwartungen auf, unterbricht sie und gibt einem Raum einen Rhythmus.
Wer jeden Übergang mit dem nächsten Effekt überzieht, kann dabei die Musik selbst aus dem Blick verlieren. Wenn ständig alles eskalieren muss, wird selbst die Eskalation zur Warteschleife. Eine starke Basslinie und ein gut gesetzter Einstieg können interessanter sein als der siebte angekündigte Ausnahmezustand.
Das macht Vinyl nicht automatisch besser. Ein USB-Stick zerstört keine Musikkultur, und eine alte Pressung verleiht ihrem Besitzer noch kein Gespür. Spannend wird es dort, wo Technik und Auswahl zusammenkommen – und jemand auch einmal darauf vertraut, dass ein Track seine eigene Wirkung entfaltet.
Cox’ Auswahl ist deshalb ein Anlass zum Wiederhören, kein Beweis dafür, dass früher alles besser war. Gute Musikgeschichte darf auf den Dancefloor zurück. Sie muss dort allerdings nicht im Museumskittel erscheinen.
Welche Platte würdest du einem Publikum vorsetzen, das sie noch nie gehört hat? Genau dort beginnt für mich die interessante Arbeit.
Quellen
Redaktionsstand: 15. September 2026 · 06:02 Uhr MESZ.
